Woran Sie ein gutes Piercing-Studio erkennen
Beim Piercen sticht das Studio ein Loch in die Haut und setzt Schmuck in die frische Wunde. Das bayerische Landesamt für Gesundheit hält das Risiko einer Entzündung deshalb für höher als beim Tattoo. Umso wichtiger ist ein Studio, das sauber arbeitet.
Ein gutes Piercing-Studio erkennen Sie an diesen Punkten:
- Es sticht mit einer sterilen Hohlnadel aus einer verschlossenen Packung, nicht mit einer Pistole.
- Der Schmuck ist steril verpackt und besteht aus einem geprüften Material wie Titan.
- Die Piercerin trägt sterile Einmalhandschuhe und desinfiziert Ihre Haut gründlich.
- Der Arbeitsplatz ist vom Wartebereich getrennt, sauber und gut beleuchtet.
- Sie bekommen vorher eine Aufklärung über Risiken und Pflege und am Ende eine schriftliche Pflegeanleitung.
- Die Preise hängen aus oder liegen zum Lesen bereit.
Eine staatliche Ausbildung für Piercer gibt es nicht, genauso wenig wie für Tätowierer. Fragen Sie deshalb nach Erfahrung und lassen Sie sich Fotos verheilter Piercings zeigen. Die Hygieneregeln für Tattoo- und Piercingstudios sind gleich, mehr dazu steht im Ratgeber zum sauberen Tattoo-Studio.
Wie das Stechen eines Piercings abläuft
Ein Piercing-Termin dauert meist kürzer als ein Arztbesuch. Das eigentliche Stechen ist in Sekunden vorbei. So läuft ein sauberer Termin ab:
Beratung
Die Piercerin schaut sich die Stelle an, erklärt Schmuck, Risiken und Pflege und beantwortet Ihre Fragen.
Unterschrift
Sie bestätigen die Aufklärung und Ihre Zustimmung. Unter 18 brauchen Sie die Zustimmung der Eltern.
Markieren
Die Stelle wird mit einem Stift markiert, damit das Loch an der richtigen Stelle sitzt. Danach wird die Haut desinfiziert.
Stechen
Mit einer sterilen Hohlnadel sticht die Piercerin in einem Zug durch die Haut.
Schmuck einsetzen
Der sterile Erstschmuck wird direkt durch den Stichkanal geführt und verschlossen.
Pflegeanleitung
Zum Schluss bekommen Sie die Pflegehinweise, am besten schriftlich, und oft einen Termin zur Kontrolle.
Etwas Blut, eine Schwellung oder ein blauer Fleck in den ersten Tagen sind normal. Das schreibt der Verband der professionellen Piercer, die Association of Professional Piercers, in seiner Pflegeanleitung.
Welche Piercings schnell heilen und welche lange
Wie lange ein Piercing heilt, hängt stark von der Stelle ab. Am schnellsten heilen Zunge und Mundinnenraum in 3 bis 6 Wochen, das Ohrläppchen braucht 6 bis 8 Wochen. Am langsamsten heilen Ohrknorpel und Brustwarze, mit bis zu 12 Monaten:
| Körperstelle | Heilungszeit |
|---|---|
| Zunge und Mundinnenraum | 3 bis 6 Wochen |
| Ohrläppchen, Augenbraue, Lippe | 6 bis 8 Wochen |
| Nasenflügel | 2 bis 8 Monate |
| Ohrknorpel, etwa Helix | 3 bis 12 Monate |
| Bauchnabel | bis 9 Monate |
| Brustwarze | 6 bis 12 Monate |
Wer zum ersten Mal ein Piercing möchte und eine kurze Heilung bevorzugt, ist mit dem Ohrläppchen gut beraten. Die genauen Zeiten und was sie beeinflusst, erklärt der Ratgeber zur Heilungsdauer von Piercings.
Was Sie vor dem Piercing-Termin klären
Ein paar Fragen sollten Sie vor dem Termin beantworten:
- Passt die Heilungszeit in Ihre nächsten Monate, etwa wegen Urlaub am Meer oder Sport?
- Sind Sie unter 18? Dann brauchen Sie die Zustimmung der Eltern, und viele Studios stechen erst ab einem bestimmten Alter.
- Haben Sie eine Nickelallergie? Sagen Sie das vorher.
- Was kostet das Piercing, und ist der Erstschmuck im Preis enthalten?
- Ist ein Termin zur Kontrolle oder zum Kürzen des Schmucks dabei?
Für ein Piercing gilt rechtlich dasselbe wie für ein Tattoo: Ohne Ihre Zustimmung wäre es eine Körperverletzung. Das Studio klärt Sie deshalb vorher auf, und Sie unterschreiben.
Warum ein Piercing-Studio keine Pistole benutzt
Viele kennen das Ohrlochschießen mit der Pistole vom Juwelier. In einem guten Piercing-Studio kommt keine Pistole zum Einsatz. Der Verband der professionellen Piercer verbietet seinen Mitgliedern wiederverwendbare Pistolen sogar.
Die Gründe: Eine Pistole aus Kunststoff lässt sich nicht richtig sterilisieren. Ihr stumpfer Stecker drückt sich mit viel Kraft durch die Haut, statt sie sauber zu durchstechen. Im Knorpel kann das zu Rissen und Narben führen.
Nach dem Hygieneplan der Länder sind beim Ohrlochstechen nur Geräte mit sterilem Einwegstecker oder sterilem Einwegaufsatz erlaubt. Für jedes andere Piercing ist die sterile Nadel der übliche Weg.
Wo Sie ein Piercing-Studio in Ihrer Nähe finden
Viele Tattoo-Studios stechen auch Piercings, und manche Studios machen nur Piercings. Rund 100 der Tattoo-Studios in unserer Übersicht nennen Piercing schon im Namen. Ob ein Studio pierct, steht aber nicht immer im Namen, fragen Sie deshalb kurz nach.
Vergleichen Sie zwei oder drei Studios, bevor Sie sich entscheiden. Ein gutes Studio nimmt sich für Ihre Fragen Zeit und drängt Sie nicht zu einem Termin am selben Tag.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich ein gutes Piercing-Studio?
Ein gutes Piercing-Studio sticht mit einer sterilen Hohlnadel statt mit einer Pistole und setzt sterilen Schmuck aus geprüftem Material wie Titan ein. Es klärt Sie vorher über Risiken und Pflege auf und gibt Ihnen eine schriftliche Pflegeanleitung mit.
Tut ein Piercing weh?
Ja, ein Piercing tut kurz weh, das Stechen selbst ist aber in Sekunden vorbei. In den ersten Tagen danach sind etwas Blut, eine Schwellung und Empfindlichkeit normal.
Welches Piercing heilt am schnellsten?
Am schnellsten heilen Piercings an der Zunge und im Mund, in 3 bis 6 Wochen. Ohrläppchen, Augenbraue und Lippe brauchen 6 bis 8 Wochen. Knorpel, Brustwarze und Bauchnabel brauchen dagegen viele Monate.
Darf man mit 16 ein Piercing stechen lassen?
Ja, mit 16 darf man ein Piercing stechen lassen, wenn die Eltern zustimmen. Ein gesetzliches Mindestalter gibt es nicht. Viele Studios legen aber ein eigenes Mindestalter fest.
Warum stechen Piercer nicht mit der Pistole?
Piercer stechen nicht mit der Pistole, weil sie sich nicht richtig sterilisieren lässt und ihr stumpfer Stecker das Gewebe quetscht. Der Verband der professionellen Piercer verbietet seinen Mitgliedern wiederverwendbare Pistolen.
