Was beim Ohrlochschießen und beim Stechen passiert
Beim Ohrlochschießen setzt die Juwelierin ein Gerät an, das oft wie eine kleine Pistole aussieht. Ein Knopfdruck drückt den Ohrstecker selbst durch das Ohrläppchen. Der Stecker ist dabei zugleich das Werkzeug und der erste Schmuck.
Beim Stechen macht die Piercerin mit einer sterilen Hohlnadel einen Kanal durch die Haut. Danach führt sie den Erstschmuck durch diesen Kanal. Die Nadel ist sehr scharf und schneidet sauber, statt das Gewebe zu quetschen.
Warum Piercer keine Ohrlochpistole benutzen
Der Verband der professionellen Piercer, die Association of Professional Piercers, lehnt wiederverwendbare Ohrlochpistolen ab. Seine Mitglieder dürfen sie nicht benutzen. Der Verband nennt dafür mehrere Gründe:
- Eine Pistole aus Kunststoff lässt sich nicht im Dampfsterilisator keimfrei machen und zwischen zwei Kunden oft nicht gründlich reinigen.
- Der stumpfe Stecker braucht viel Druck und quetscht das Gewebe, statt es sauber zu durchstechen. Das kann zu Narben führen.
- Die Stecker sind für manche Ohrläppchen und die meisten Knorpelstellen zu kurz und können einwachsen.
- Am Ohrknorpel kann die Pistole den Knorpel splittern und starke Narben verursachen.
Der Verband sagt außerdem: Für Piercings ist nur sterile Einmalausrüstung geeignet.
Wann Ohrlochschießen beim Juwelier erlaubt ist
Verboten ist das Ohrlochschießen nicht. Die Hygieneregeln der Länder erlauben beim Ohrlochstechen Geräte mit sterilem Einwegstecker, sterilem Einwegaufsatz oder sterilem Einwegadapter. Das gilt für das Ohrläppchen und den oberen, flachen Teil des Ohrknorpels.
Entscheidend ist also, ob das Gerät mit sterilen Einwegteilen arbeitet. Dann kommt nichts, was die Haut berührt, mit einem anderen Kunden in Kontakt. Fragen Sie beim Juwelier nach, ob Stecker und Aufsatz steril verpackt sind und vor Ihren Augen geöffnet werden.
Auch der Juwelier muss sich an die Hygieneregeln halten. Die Verordnungen in Berlin und Nordrhein-Westfalen nennen das Ohrlochstechen ausdrücklich, genau wie das Tätowieren und Piercen.
Was Ohrlochschießen und Stechen kosten
In fünf Preislisten von Piercing-Studios kostet ein Ohrloch 25 bis 55 Euro, meist mit dem Erstschmuck aus Titan. Ein Studio in Hamburg sticht Kindern ab 8 Jahren mit einem sterilen Einwegsystem und Jugendlichen ab 14 Jahren mit der Nadel.
Was Juweliere verlangen, haben wir nicht erhoben. Fragen Sie vorher nach dem Endpreis und danach, aus welchem Material der Stecker ist. Ein Vergleich der Piercing-Preise steht im Ratgeber was ein Piercing kostet.
Wie Sie ein frisches Ohrloch pflegen
Ein Ohrloch im Ohrläppchen heilt in etwa 6 bis 8 Wochen, eines im Ohrknorpel braucht 3 bis 12 Monate. In dieser Zeit lassen Sie den Stecker drin, auch nachts.
Für die Pflege empfiehlt der Verband der Piercer sterile Kochsalzlösung mit 0,9 Prozent Salz. Waschen Sie vorher die Hände, drehen Sie den Stecker nicht und reinigen Sie Handy, Kopfhörer und Kissenbezug regelmäßig. Mehr dazu steht im Ratgeber zur Piercing-Nachsorge.
Wird das Ohrläppchen immer röter, dicker und schmerzhafter statt besser, gehen Sie in eine Arztpraxis.
Ohrloch für Kinder, was Eltern wissen sollten
Ein gesetzliches Mindestalter für Ohrlöcher gibt es nicht. Bei Kindern müssen die Eltern zustimmen, so wie bei jedem Piercing. Viele Studios legen ein eigenes Mindestalter fest.
Für Kinder ist ein steriles Einwegsystem oder die Nadel im Studio möglich. Wichtig ist, dass alles steril ist und der Stecker aus einem Material besteht, das kaum Nickel abgibt. Für Schmuck in einem frisch gestochenen Loch erlaubt die EU weniger als 0,2 Mikrogramm Nickel je Quadratzentimeter und Woche.
Häufige Fragen
Ist Ohrlochschießen schlimmer als Stechen?
Ohrlochschießen mit einer wiederverwendbaren Pistole quetscht das Gewebe mehr als das Stechen mit einer sterilen Nadel. Der Verband der professionellen Piercer lehnt solche Pistolen ab. Erlaubt ist das Schießen aber mit Geräten, die sterile Einwegstecker benutzen.
Darf man ein Ohrloch im Knorpel schießen lassen?
Erlaubt ist ein Loch im oberen, flachen Teil des Ohrknorpels mit einem sterilen Einwegsystem. Piercer raten trotzdem zur Nadel, weil eine Pistole den Knorpel splittern und Narben verursachen kann.
Wie lange dauert es, bis ein geschossenes Ohrloch verheilt ist?
Ein Ohrloch im Ohrläppchen braucht etwa 6 bis 8 Wochen, bis es verheilt ist, egal ob geschossen oder gestochen. Im Ohrknorpel dauert die Heilung 3 bis 12 Monate.
Ab wann dürfen Kinder Ohrlöcher bekommen?
Ein gesetzliches Mindestalter für Ohrlöcher gibt es nicht, die Eltern müssen aber zustimmen. Viele Studios und Juweliere legen ein eigenes Mindestalter fest, ein Studio in Hamburg etwa 8 Jahre für sein Einwegsystem.
