Welcher Schmuck in ein frisches Piercing gehört
Der erste Schmuck sitzt wochen- oder monatelang in einer frischen Wunde. Sein Material entscheidet deshalb mit, wie gut die Stelle heilt. Der Verband der professionellen Piercer, die Association of Professional Piercers, nennt diese Materialien als geeignet:
- Titan, das für Implantate zugelassen ist, oder reines Titan in geprüfter Qualität
- Stahl, der für Implantate geprüft ist oder die EU-Grenzwerte für Nickel einhält
- Niob, ein Metall ähnlich wie Titan, das sich farbig färben lässt
- massives Gold mit 14 bis 18 Karat, ohne Nickel und Cadmium
- Platin, das sich im Körper kaum verändert
- bestimmte Glassorten ohne Blei
In Deutschland nehmen die meisten Studios für den Erstschmuck Titan. In einer Stichprobe aus fünf Preislisten nannten drei Studios ausdrücklich Titan, und es war im Preis enthalten.
Titan oder Chirurgenstahl im frischen Piercing
Titan ist leicht, enthält in der Qualität für Implantate kein Nickel und ist deshalb die häufigste Wahl für den Erstschmuck. Gerade wer eine Nickelallergie hat, ist mit Titan auf der sicheren Seite.
Chirurgenstahl klingt nach Krankenhaus. Entscheidend ist aber, welche Stahlsorte genau verwendet wird, denn Stahl für Schmuck enthält meist etwas Nickel. Geeignet ist nur Stahl, der für Implantate geprüft ist oder nachweislich die EU-Grenze für Nickel einhält. Fragen Sie im Studio nach, welcher Stahl es genau ist.
Gute Piercer können das belegen. Der Verband der Piercer nennt dafür ein Werkszeugnis des Herstellers, das die genaue Sorte des Metalls bestätigt. Fragen Sie danach, wenn Sie unsicher sind.
Wann Gold für ein Piercing geeignet ist
Gold ist für ein frisches Piercing nur geeignet, wenn es massiv ist und 14 bis 18 Karat hat. Es darf kein Nickel und kein Cadmium enthalten. Gold mit mehr als 18 Karat ist zu weich für ein frisches Piercing.
Vergoldeter Schmuck, Doublé und Schmuck mit dünner Goldauflage gehören nicht in eine frische Wunde. Die dünne Goldschicht kann sich abreiben, und darunter liegt oft ein Metall, das die Haut reizt.
Was der EU-Grenzwert für Nickel bedeutet
Nickel löst von allen Metallen am häufigsten eine Kontaktallergie aus. Die EU hat deshalb Grenzwerte festgelegt, wie viel Nickel ein Schmuckstück an die Haut abgeben darf.
Für Stäbe und Stecker, die in ein frisch gestochenes Loch kommen, liegt die Grenze bei weniger als 0,2 Mikrogramm je Quadratzentimeter und Woche. Für Schmuck, den Sie lange auf der Haut tragen, etwa nach dem Abheilen, liegt sie bei 0,5 Mikrogramm. Die strengere Grenze für frische Löcher ist also mehr als doppelt so streng.
Der Grenzwert sagt, wie viel Nickel herauskommen darf, nicht, ob überhaupt Nickel drin ist. Auch Stahl, der die Grenze einhält, kann Nickel enthalten. Wer schon eine Nickelallergie hat, wählt deshalb besser Titan.
Woran Sie minderwertigen Piercing-Schmuck erkennen
Billiger Schmuck aus dem Internet oder vom Markt nennt oft kein genaues Material. Diese Zeichen sprechen gegen einen Schmuck für ein frisches Piercing:
- Das Material ist nicht genau angegeben, etwa nur Edelstahl oder Metall.
- Der Schmuck ist vergoldet oder versilbert.
- Die Oberfläche ist rau, hat Kratzer oder scharfe Kanten.
- Der Verkäufer kann keinen Nachweis über das Material zeigen.
Der Hygieneplan der Länder verlangt außerdem, dass jeder Schmuck steril ist, der in der Haut bleibt. Bringen Sie eigenen Schmuck ins Studio, müssen Sie das schriftlich bestätigen. Besser ist es, den sterilen Erstschmuck des Studios zu nehmen. Wie Sie ein gutes Studio finden, erklärt der Ratgeber Piercing stechen lassen.
Wann Sie Folgeschmuck tragen können
Den Erstschmuck wechseln Sie erst, wenn das Piercing vollständig verheilt ist. Am Ohrläppchen sind das etwa 6 bis 8 Wochen, im Ohrknorpel 3 bis 12 Monate. Mehr zu den Zeiten steht im Ratgeber zur Heilungsdauer von Piercings.
Auch danach lohnt sich gutes Material. Wer zu Allergien neigt, bleibt am besten bei Titan oder massivem Gold. Rötet sich ein verheiltes Piercing nach einem Schmuckwechsel, kann das am neuen Material liegen. Wechseln Sie dann zurück und fragen Sie im Studio nach.
Häufige Fragen
Ist Titan oder Chirurgenstahl besser für ein neues Piercing?
Titan ist für ein neues Piercing meist die sicherere Wahl, weil Titan für Implantate kein Nickel enthält. Chirurgenstahl enthält in der Regel etwas Nickel und ist nur geeignet, wenn er für Implantate geprüft ist oder die EU-Grenze für Nickel einhält.
Kann ich mit Nickelallergie ein Piercing stechen lassen?
Ja, mit Nickelallergie können Sie ein Piercing stechen lassen. Sagen Sie es vorher und wählen Sie Schmuck aus Titan, das für Implantate zugelassen ist, oder massives Gold ohne Nickel.
Ist vergoldeter Schmuck für ein frisches Piercing geeignet?
Nein, vergoldeter Schmuck ist für ein frisches Piercing nicht geeignet. Die dünne Goldschicht kann sich abreiben, und das Metall darunter kann die Haut reizen. Geeignet ist nur massives Gold mit 14 bis 18 Karat.
Wie viel Nickel darf Piercing-Schmuck abgeben?
Piercing-Schmuck für ein frisch gestochenes Loch darf in der EU weniger als 0,2 Mikrogramm Nickel je Quadratzentimeter und Woche abgeben. Für Schmuck nach dem Abheilen gilt eine Grenze von 0,5 Mikrogramm.
