In 6 Fällen gehört vor dem Tattoo ein Arztgespräch
Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät in 6 Fällen davon ab, sich ohne ärztliche Beratung tätowieren zu lassen. Es nennt eine Schwangerschaft, eine Behandlung mit Antibiotika, Mittel, die das Abwehrsystem dämpfen, Vorerkrankungen des Herzens, Diabetes und Störungen der Blutgerinnung.
Der gemeinsame Grund ist das Risiko einer Infektion. Beim Tätowieren entstehen viele kleine Wunden, und über sie können Keime in die Haut und sogar ins Blut gelangen. Wer eine geschwächte Abwehr hat, bekommt nach Angaben des Instituts leichter eine Infektion, und die Wunde heilt langsamer.
Ganz ausschließen lässt sich dieses Risiko auch im besten Studio nicht. In Untersuchungen aus Deutschland, der Schweiz und Dänemark bis 2013 waren 10 bis 20 Prozent der Tattoofarben mit Keimen belastet, manche schon in der verschlossenen Flasche.
In Österreich steht so eine Liste sogar in einer Verordnung. Dort darf ein Studio nur tätowieren, wenn nichts auf einen Grund dagegen hinweist. Vorher muss es über 13 mögliche Gründe aufklären, darunter Diabetes, die Bluterkrankheit, Blutverdünner, Allergien, Hautkrankheiten und fieberhafte Infekte.
Warum Schwangere und Stillende auf ein Tattoo verzichten
In der Schwangerschaft und in der Stillzeit rät das Institut vom Tattoo ab, und das öffentliche Gesundheitsportal Österreichs sieht das genauso. Die Hygiene-Leitlinie für Tätowierer rät Schwangeren ebenfalls ab. Das Institut nennt dafür zwei Gründe.
Der erste Grund ist die Farbe selbst. Beim Tätowieren kommt sie mit dem Blut und dem Gewebewasser in Kontakt und kann sich im ganzen Körper verteilen. Dass sie in die Muttermilch oder zum ungeborenen Kind gelangt, hält das Institut deshalb für möglich.
Der zweite Grund sind Infektionen. Die verletzte Haut ist auch nach dem Stechen anfälliger für Keime, und eine Infektion kann auch das Kind treffen. Bei einer schweren Infektion kann eine Behandlung mit Antibiotika nötig werden.
Wie lange Sie nach dem Abstillen warten sollten, nennt keine der Fachstellen. Sprechen Sie im Zweifel mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt. Auch eine Tattoo-Entfernung mit dem Laser gehört nicht in diese Zeit, so das Institut.
Was Blutverdünner beim Tätowieren bewirken
Mit Blutverdünnern bluten Sie beim Stechen stärker. Das Blut spült dabei einen Teil der Farbe wieder aus, so das Bundesumweltministerium. Dazu zählen auch Schmerztabletten wie Aspirin. Bei der Vorbereitung auf den Tattoo-Termin lassen Sie sie deshalb weg, am Vortag und am Tag selbst.
Nehmen Sie einen Blutverdünner auf ärztliche Verordnung, setzen Sie ihn nie auf eigene Faust ab. Sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, das rät auch das Ministerium.
Wer an einer Störung der Blutgerinnung leidet, etwa an der Bluterkrankheit, gehört ebenfalls zu den Fällen, in denen das Institut ein Arztgespräch vor dem Tattoo empfiehlt.
Warum Diabetes und Herzkrankheiten ein Arztgespräch brauchen
Bei Diabetes und bei Vorerkrankungen des Herzens rät das Institut, vor dem Tattoo ärztlichen Rat einzuholen. Es begründet die Vorsicht damit, dass beim Tätowieren Keime ins Blut gelangen können. Dasselbe gilt, wenn Sie gerade Antibiotika nehmen oder Medikamente, die das Abwehrsystem dämpfen.
Für Diabetes erklärt eine Hormonärztin der Cleveland Clinic, einer großen Klinik in den USA, worauf es ankommt. Ist der Blutzucker schlecht eingestellt, arbeitet auch das Abwehrsystem schlechter, und das Risiko einer Infektion steigt. Sie rät, sich nur mit gut eingestelltem Blutzucker tätowieren zu lassen.
Außerdem rät die Ärztin, Füße, Schienbeine, Knöchel und Po zu meiden. Diese Stellen sind oft schlechter durchblutet und entzünden sich deshalb leichter.
Nach dem Tattoo beobachten Sie die Stelle dann besonders genau und halten sich streng an die Pflege in den ersten 14 Tagen.
Warum der Tätowierer Muttermale ausspart
Muttermale und Leberflecken dürfen nicht tätowiert werden. So steht es in der Hygiene-Leitlinie für Tätowierer, und ein seriöser Tätowierer sticht um sie herum.
Der Grund ist die Früherkennung von Hautkrebs. Auf tätowierter Haut sind frühe Veränderungen schwer zu erkennen, auch nachdem ein Tattoo wieder entfernt wurde, so das Portal aus Österreich. Menschen mit sehr heller Haut, mit vielen Muttermalen oder mit Hautkrebs in der Familie rät das Portal deshalb eher von Tattoos ab.
Wie Sie Muttermale in der Nähe eines Tattoos kontrollieren lassen, besprechen Sie mit Ihrer Hautarztpraxis.
Wann die Haut an der Stelle gegen ein Tattoo spricht
Kranke Hautstellen werden nicht tätowiert, so die Leitlinie. Sieht der Tätowierer vor dem Stechen eine auffällige Stelle, soll er nach dem Hygieneplan der Länder vom Tattoo abraten und Ihnen einen Arztbesuch empfehlen.
Ein höheres Risiko für eine Infektion besteht auch, wenn in der Nähe des geplanten Tattoos schon eine Entzündung, eine offene Wunde, ein allergischer Ausschlag oder ein Ekzem ist. Ein Ekzem ist ein juckender, entzündeter Ausschlag. Darauf weist das Institut hin.
Ob eine Narbe tätowiert werden kann, wird nach der Leitlinie im Einzelfall entschieden.
Wann Sie den Tattoo-Termin nur verschieben
Manche Gründe sprechen nur für den Moment gegen ein Tattoo. Mit einer Erkältung oder Grippe warten Sie, bis Sie wieder gesund sind, weil die Krankheit die Abwehr belastet und das Risiko einer Wundinfektion steigt. Ein seriöses Studio schickt Sie in diesem Fall nach Hause, so das Ministerium.
Unter dem Einfluss von Alkohol, Drogen oder Medikamenten wird nach der Leitlinie nicht tätowiert. Müssen Sie Medikamente nehmen, fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, ab wann Sie zum Termin gehen können.
Sind Sie schwanger oder stillen Sie?
Warten Sie mit dem Tattoo, bis Sie abgestillt haben. Fachleute raten in dieser Zeit ab.
Haben Sie eine Krankheit oder nehmen Sie regelmäßig Medikamente?
Sprechen Sie vor dem Termin mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Sagen Sie dem Studio, was dabei herauskam.
Sind Sie gerade krank, oder ist die Haut an der Stelle entzündet oder verletzt?
Verschieben Sie den Termin, bis Sie gesund sind und die Haut abgeheilt ist.
Aus Sicht der Fachleute spricht nichts Bekanntes dagegen. Geben Sie im Studio trotzdem alle Medikamente und Allergien an.
Häufige Fragen
Darf man sich in der Stillzeit tätowieren lassen?
Nein, in der Stillzeit sollten Sie sich nicht tätowieren lassen, raten Fachleute in Deutschland und Österreich. Die Farbe kann sich im Körper verteilen, und ein Übergang in die Muttermilch gilt als möglich. Dazu kommt das Risiko einer Infektion.
Darf ich mich mit Diabetes tätowieren lassen?
Mit Diabetes ist ein Tattoo nicht verboten, aber Sie sollten vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt sprechen. Fachleute raten dazu, weil das Risiko einer Infektion steigt. Wichtig ist ein gut eingestellter Blutzucker.
Darf man ein Muttermal übertätowieren?
Nein, ein Muttermal oder einen Leberfleck darf ein Tätowierer nicht übertätowieren, so die Hygiene-Leitlinie für Tätowierer. Unter Farbe lassen sich frühe Zeichen von Hautkrebs kaum erkennen. Der Tätowierer spart solche Stellen deshalb aus.
Darf ich mit Blutverdünnern ein Tattoo stechen lassen?
Ein Tattoo mit Blutverdünnern lassen Sie nur nach Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt stechen. Sie bluten dabei stärker, und ein Teil der Farbe wird ausgespült. Setzen Sie ärztlich verordnete Blutverdünner nie selbst ab.
Kann ich mich während einer Antibiotika-Behandlung tätowieren lassen?
Während einer Behandlung mit Antibiotika lassen Sie sich besser nicht tätowieren, oder nur nach ärztlicher Beratung. Das raten Fachleute für Risikobewertung. Wann Sie wieder zum Termin können, sagt Ihnen Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.
Darf man auf eine Narbe tätowieren?
Ob eine Narbe tätowiert werden kann, entscheidet sich im Einzelfall, so die Hygiene-Leitlinie für Tätowierer. Kranke Haut wird dagegen nicht tätowiert. Lassen Sie eine auffällige Stelle vorher in einer Hautarztpraxis ansehen.
