Warum es kein Gesetz nur für Tattoo-Studios gibt
In Deutschland gibt es kein eigenes Gesetz für Tattoo-Studios. Die Regeln stehen verstreut in Gesetzen der EU, des Bundes und der 16 Bundesländer. Für Kunden ist das unübersichtlich, und genau deshalb lohnt sich ein Überblick.
Wer ein Tattoo-Studio eröffnen will, braucht keine Prüfung und keine Erlaubnis. Tätowierer ist kein Ausbildungsberuf. Ein Studio meldet nur ein Gewerbe an, so wie ein Kiosk oder ein Friseur.
Die Hygiene regeln die Länder. Ein Bundesgesetz zum Schutz vor Infektionen erlaubt ihnen, eigene Regeln zu erlassen. Diese Landesregeln heißen meist Hygieneverordnung, und die meisten Länder haben eine. Das Gesundheitsamt darf Studios kontrollieren, in denen Keime über Blut übertragen werden können. Eine Pflicht zur Kontrolle hat es aber nicht.
Welche Regeln für Tattoo- und Piercingstudios gelten
Für ein Studio gelten Regeln aus sieben Bereichen. Die wichtigsten sind die Hygiene, die Farbe und Ihre Zustimmung:
| Regel | Was sie verlangt | Wer darüber wacht |
|---|---|---|
| Gewerbeanmeldung | Das Studio meldet sein Gewerbe an. Eine Prüfung gibt es dabei nicht. | Gewerbeamt |
| Hygieneverordnung des Landes | Sterile Werkzeuge und Händedesinfektion, in vielen Ländern auch Hygieneplan und Anzeige beim Gesundheitsamt | Gesundheitsamt |
| EU-Regeln für Tattoofarbe | Keine Stoffe, die Krebs auslösen oder die Haut stark reizen können, Beschriftung auf Deutsch | Behörden der Länder für Kosmetik |
| Deutsche Verordnung für Tattoofarbe | Verbotene Stoffe, Haltbarkeitsdatum, Meldung der Rezeptur | Behörden der Länder für Kosmetik |
| EU-Grenzwert für Nickel | Piercingschmuck für ein frisches Loch gibt kaum Nickel ab | Behörden der Länder |
| Strafrecht | Ohne Ihre Zustimmung ist das Stechen eine Körperverletzung | Polizei und Gerichte |
| Europäische Norm für Tattoostudios | Aufklärung vorher und nachher, mündlich und schriftlich | Niemand, sie ist freiwillig |
Ebenso wichtig ist, was es nicht gibt. Niemand prüft das Können eines Tätowierers, und es gibt kein amtliches Gütesiegel und keine öffentliche Liste geprüfter Studios. Woran Sie selbst ein gutes Studio erkennen, erklärt der Ratgeber zum sauberen Tattoo-Studio.
Welche Hygieneverordnung in Ihrem Bundesland gilt
Zehn Länder haben eine eigene Verordnung, die Tätowieren und Piercing ausdrücklich nennt oder erfasst. Wir haben jede an einer amtlichen Quelle geprüft. Die älteste stammt aus Bayern von 1987, die jüngste aus Berlin von 2017, und Nordrhein-Westfalen hat seine 2024 neu gefasst. Für fünf ostdeutsche Länder gibt es zusätzlich einen gemeinsamen Muster-Hygieneplan.
| Bundesland | Regel für Tattoo und Piercing | Was auffällt |
|---|---|---|
| Baden-Württemberg | Hygiene-Verordnung von 2002 | Nennt Tätowieren, Piercen und Ohrlochstechen. Was die Haut verletzt, muss steril sein. |
| Bayern | Hygiene-Verordnung von 1987 | Nennt Tätowieren, Piercen und Ohrlochstechen. |
| Berlin | Infektionsverhütungs-Verordnung von 2017 | Nennt Tätowieren, Piercen und Ohrlochstechen ausdrücklich. |
| Hamburg | Verordnung zur Verhütung übertragbarer Krankheiten | Ein Hygieneplan mit Arbeitsanweisungen ist Pflicht. |
| Hessen | Infektionshygiene-Verordnung von 2003 | Wer tätowiert oder pierct, braucht Wissen über Hygiene. |
| Niedersachsen | Hygiene-Verordnung von 2001 | Gilt auch für Permanent Make-up. |
| Nordrhein-Westfalen | Hygiene-Verordnung, neu gefasst 2024 | Das Studio meldet Beginn und Ende seiner Arbeit beim Gesundheitsamt. |
| Rheinland-Pfalz | Hygiene-Verordnung gegen Blutkontaktinfektionen | Das Studio meldet Beginn, Ende und größere Änderungen beim Gesundheitsamt. |
| Sachsen | Hygiene-Verordnung von 2004 | Tätowierer weisen ihr Wissen über Hygiene beim Gesundheitsamt nach. |
| Schleswig-Holstein | Landesverordnung zur Verhütung übertragbarer Krankheiten | Nennt Piercing und Tätowieren. |
| Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Thüringen | Gemeinsamer Muster-Hygieneplan von 2007, zusammen mit Sachsen | Kein Gesetz, aber eine genaue Arbeitshilfe für das Gesundheitsamt. |
| Bremen, Saarland | Keine eigene Verordnung bestätigt | Fragen Sie das örtliche Gesundheitsamt. |
Inhaltlich ähneln sich die Verordnungen stark. Alles, was die Haut verletzt, muss steril sein. Der Tätowierer desinfiziert Hände und Haut und trägt Handschuhe. Einmalmaterial wird nur einmal benutzt. Unterschiede gibt es vor allem bei der Frage, ob sich ein Studio beim Gesundheitsamt anmelden und sein Wissen nachweisen muss.
Was das Gesundheitsamt in einem Tattoo-Studio prüft
Kommt das Gesundheitsamt ins Studio, schaut es sich vor allem die Abläufe an. Gibt es einen Hygieneplan? Werden Werkzeuge richtig gereinigt und sterilisiert? Ist der Sterilisator geprüft, und gibt es Protokolle? Liegen Desinfektionsmittel bereit, die gegen HIV und Hepatitis wirken?
Wie oft das Amt kommt, entscheidet jedes Gesundheitsamt selbst. In Ländern, in denen sich Studios anmelden müssen, weiß das Amt wenigstens, wo es Studios gibt. Wer ohne Gewerbe in einer Wohnung tätowiert, taucht dagegen in keiner Planung auf.
Ein Zeugnis stellt das Amt nach einer Kontrolle nicht aus. Wirbt ein Studio mit einem amtlichen Siegel, fragen Sie nach, was genau dahintersteckt.
Welche Regeln für Farbe und Schmuck gelten
Für Tattoofarbe gilt seit dem 4. Januar 2022 eine strenge Regel der EU. Sie verbietet Stoffe, die Krebs auslösen, das Erbgut schädigen oder die Haut stark reizen können, und sie gilt auch für Permanent Make-up. Was genau verboten ist, erklärt der Ratgeber verbotene Tattoofarben.
Für Piercingschmuck gibt es einen Grenzwert für Nickel. Schmuck für ein frisch gestochenes Loch darf weniger als 0,2 Mikrogramm Nickel je Quadratzentimeter und Woche abgeben. So schützt das Recht vor einer Nickelallergie, die oft gerade an frischen Wunden entsteht.
Die Tattoo-Entfernung mit Laser ist seit dem 31. Dezember 2020 Ärztinnen und Ärzten vorbehalten. Ein Tattoo-Studio darf dafür keinen Laser einsetzen.
Welche Rechte Sie als Kunde haben
Ein Tattoo ist rechtlich eine Körperverletzung, die erst Ihre Zustimmung erlaubt. Das Studio muss Sie deshalb vorher aufklären, über Risiken, Pflege und die Dauer des Ergebnisses. Unter 18 müssen außerdem die Eltern zustimmen.
Mit dem Studio schließen Sie einen Vertrag. Ist das Tattoo verpfuscht, können Sie meist zuerst eine Nachbesserung verlangen und unter Umständen Geld zurück oder Schmerzensgeld. Ein Haftungsausschluss auf dem Formular nimmt Ihnen diese Rechte nicht ganz.
Für den Preis gilt: Das Studio muss Ihnen den Endpreis mit Mehrwertsteuer nennen. Eine Gebührenordnung für Tattoos gibt es nicht, jedes Studio legt seinen Preis selbst fest.
Häufige Fragen
Braucht ein Tattoo-Studio eine Genehmigung?
Nein, ein Tattoo-Studio braucht in Deutschland keine besondere Genehmigung. Es meldet nur ein Gewerbe an. In manchen Ländern wie Nordrhein-Westfalen oder Rheinland-Pfalz muss es seine Arbeit zusätzlich beim Gesundheitsamt anzeigen.
Gibt es in jedem Bundesland eine Hygieneverordnung für Tattoo-Studios?
Nein, nicht jedes Bundesland hat eine eigene Hygieneverordnung für Tattoo-Studios. Bestätigt haben wir sie für zehn Länder, darunter Bayern, Berlin, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Für fünf ostdeutsche Länder gibt es einen gemeinsamen Muster-Hygieneplan.
Wer kontrolliert Tattoo-Studios in Deutschland?
Tattoo-Studios kontrolliert in Deutschland das Gesundheitsamt der Stadt oder des Landkreises. Es darf jederzeit prüfen, muss es aber nicht. Die Tattoofarbe überwachen die Behörden der Länder, die auch Kosmetik prüfen.
Muss ein Tätowierer eine Ausbildung haben?
Nein, ein Tätowierer muss in Deutschland keine Ausbildung haben, denn Tätowierer ist kein Ausbildungsberuf. Einige Länder wie Hessen und Sachsen verlangen aber Wissen über Hygiene. In Sachsen muss der Tätowierer es beim Gesundheitsamt nachweisen.
Darf ein Tattoo-Studio Tattoos mit dem Laser entfernen?
Nein, ein Tattoo-Studio darf Tattoos nicht mit dem Laser entfernen. Seit dem 31. Dezember 2020 dürfen das nur Ärztinnen und Ärzte. Wer ein altes Tattoo loswerden will, geht dafür in eine Hautarztpraxis.
