Warum Sie vor dem Tattoo etwas unterschreiben
Ein Tattoo verletzt die Haut. Rechtlich ist das eine Körperverletzung, die erst Ihre Zustimmung erlaubt. Die Einverständniserklärung hält diese Zustimmung schriftlich fest, damit später niemand darüber streiten muss.
Ein Gesetz schreibt das Formular nicht vor. Die Fachleitlinie zur Hygiene beim Tätowieren empfiehlt es aber dringend, und die europäische Norm für Tattoostudios enthält seit Mai 2020 ein Muster dafür. Fast jedes seriöse Studio arbeitet deshalb damit.
Für Jugendliche unter 18 gelten eigene Regeln, dann müssen die Eltern zustimmen. Das erklärt der Ratgeber Tattoo unter 18. Hier geht es um Erwachsene.
Was in einer Einverständniserklärung für ein Tattoo steht
Die Formulare unterscheiden sich von Studio zu Studio. Meist finden Sie diese Teile:
- Ihre Angaben wie Name, Geburtsdatum und Anschrift
- Motiv, Größe und Körperstelle, damit klar ist, wozu Sie Ja sagen
- Fragen zu Ihrer Gesundheit, etwa zu Allergien, Blutverdünnern, Schwangerschaft oder Hautkrankheiten
- die Bestätigung, dass Sie über Risiken, Wundpflege und Nachsorge aufgeklärt wurden
- Angaben zu den Farben, nach der europäischen Norm auch zur Farbe selbst
- Ihre Zustimmung zum Tattoo, mit Datum und Unterschrift
Lesen Sie das Formular ganz, bevor Sie unterschreiben, und nicht erst auf der Liege. Fragen Sie nach, wenn Ihnen ein Satz unklar ist. Ein gutes Studio erklärt das gern.
Worüber Sie das Studio vor dem Tattoo aufklären muss
Die Aufklärung ist der wichtigste Teil. Nach dem Hygieneplan der Länder klärt das Studio Sie vor jedem Termin über mögliche Gefahren, über Allergien gegen Farbstoffe und über Wundpflege und Nachsorge auf. Das Studio hält diese Aufklärung schriftlich fest.
Die europäische Norm geht noch weiter. Danach erklärt das Studio Ihnen den Eingriff, die Risiken, mögliche Probleme und die Pflege, und zwar mündlich und schriftlich, vor und nach dem Tattoo.
Gute Fragen an das Studio sind deshalb: Welche Probleme können auftreten? Was mache ich, wenn die Stelle stark rot wird? Wie pflege ich das Tattoo in den ersten Wochen?
Warum das Studio nach Ihrer Gesundheit fragt
Die Fragen zur Gesundheit sind kein Misstrauen. Sie helfen dem Tätowierer zu entscheiden, ob er Sie heute stechen kann. Die Fachleitlinie zur Hygiene beim Tätowieren rät, Schwangere und Menschen unter dem Einfluss von Medikamenten, Drogen oder Alkohol nicht zu tätowieren.
Antworten Sie ehrlich. Verschweigen Sie etwa, dass Sie Blutverdünner nehmen, kann es stärker bluten, und das Ergebnis leidet. Bei manchen Krankheiten raten Fachleute, vorher mit der Ärztin zu sprechen. Dazu gehören Diabetes, Herzkrankheiten und Störungen der Blutgerinnung.
Ihre Angaben zur Gesundheit sind besonders geschützte Daten. Das Studio darf sie nur mit Ihrer ausdrücklichen Zustimmung verarbeiten und muss sie sorgfältig aufbewahren.
Was ein Haftungsausschluss beim Tattoo wirklich bewirkt
In vielen Formularen steht ein Satz wie: Das Studio haftet nicht für Schäden. Viele Kunden glauben, sie hätten damit alle Rechte abgegeben. Das stimmt nicht.
Ein Studio kann in seinem Formular die Haftung für Verletzungen an Körper und Gesundheit nicht ausschließen, wenn es fahrlässig gearbeitet hat. So steht es im Bürgerlichen Gesetzbuch. Fahrlässig ist zum Beispiel, wer unsauber arbeitet oder zu tief sticht. Bei grob fahrlässigen Fehlern gilt das auch für andere Schäden.
Was Ihre Unterschrift abdeckt, sind die normalen Folgen eines sauber gestochenen Tattoos. Dazu gehören Schmerzen, Rötung und Schorf in den ersten Tagen und das Risiko einer Allergie, über das Sie aufgeklärt wurden. Für Fehler des Studios bleibt das Studio verantwortlich.
Die Folgekosten einer Entzündung tragen Sie trotzdem oft selbst, wenn dem Studio kein Fehler nachzuweisen ist. Das Bundesinstitut für Risikobewertung weist darauf hin, dass auch die Krankenkasse dann nicht voll zahlen muss. Was Sie bei einem echten Fehler verlangen können, steht im Ratgeber Tattoo verpfuscht.
So gehen Sie mit dem Formular richtig um
Mit ein paar Handgriffen schützen Sie sich, ohne das Studio zu verärgern:
- Lassen Sie sich das Formular schon beim Beratungsgespräch geben oder schicken.
- Lesen Sie es zu Hause in Ruhe und notieren Sie Ihre Fragen.
- Prüfen Sie, ob Motiv, Größe und Stelle richtig eingetragen sind.
- Beantworten Sie die Gesundheitsfragen ehrlich und vollständig.
- Lassen Sie sich die Farbe und ihre Chargennummer eintragen.
- Nehmen Sie eine Kopie oder ein Foto des unterschriebenen Formulars mit.
Verlangt ein Studio, dass Sie unter Zeitdruck auf der Liege unterschreiben, dürfen Sie um mehr Zeit bitten. Ein seriöses Studio hat damit kein Problem.
Häufige Fragen
Muss ich vor einem Tattoo eine Einverständniserklärung unterschreiben?
Ein Gesetz schreibt die Einverständniserklärung für ein Tattoo nicht vor, fast jedes Studio verlangt sie aber. Die Fachleitlinie zur Hygiene beim Tätowieren empfiehlt sie dringend. Mit ihr halten Sie fest, dass Sie aufgeklärt wurden und zustimmen.
Gilt ein Haftungsausschluss im Tattoo-Studio?
Nein, ein Haftungsausschluss im Tattoo-Studio gilt nicht für Verletzungen, die das Studio fahrlässig verursacht. Das Bürgerliche Gesetzbuch verbietet solche Klauseln in vorgedruckten Formularen. Ihre Unterschrift deckt nur die normalen Folgen eines sauber gestochenen Tattoos.
Warum fragt das Tattoo-Studio nach meiner Gesundheit?
Das Tattoo-Studio fragt nach Ihrer Gesundheit, um zu entscheiden, ob es Sie sicher tätowieren kann. Bei Schwangerschaft oder unter Medikamenten, Drogen oder Alkohol rät die Fachleitlinie vom Tätowieren ab. Antworten Sie deshalb ehrlich.
Bekomme ich eine Kopie der Einverständniserklärung vom Tattoo-Studio?
Ja, bitten Sie das Tattoo-Studio um eine Kopie der Einverständniserklärung oder machen Sie ein Foto davon. Im Streit zeigt sie, welches Motiv vereinbart war und worüber Sie aufgeklärt wurden.
