Vier Tattoo-Stile im Überblick
Ein Tattoo-Stil beschreibt, wie ein Motiv gestochen wird, also mit feinen Linien, mit großen Flächen, fotoähnlich oder mit kräftigen Konturen. Die Grenzen zwischen den Stilen sind fließend. Blackwork etwa ist ein sehr weiter Begriff für fast alles, was nur in Schwarz gestochen ist.
Der wichtigste technische Unterschied liegt in den Nadeln. Für sehr dünne Linien sticht der Tätowierer oft mit 1 Nadel, für dickere Linien, kräftige Farben und Schattierungen mit mehreren Nadeln zugleich. Für Flächen nutzt er einen Block von bis zu 45 Nadeln.
| Stil | So sieht er aus | Typische Motive | Was der Tätowierer beherrschen muss |
|---|---|---|---|
| Fine Line | Sehr dünne, feine Linien, oft eher klein | Kleine, filigrane Zeichnungen | Gleichmäßig dünne Linien, oft mit 1 Nadel |
| Realism | Fotoähnlich, in Grautönen oder in Farbe | Porträts und Naturszenen | Feine Schattierungen und Übergänge |
| Blackwork | Nur schwarze Farbe, oft große Flächen | Geometrische Muster, Ornamente, Zeichnungen | Gleichmäßig gefüllte Flächen mit bis zu 45 Nadeln |
| Traditional | Breite Konturen und kräftige Grundfarben | Rosen, Anker, Schwalben, Frauenköpfe | Klare, kräftige Linien und satt gefüllte Farben |
Was Fine Line vom Tätowierer verlangt
Fine Line heißt, dass ein Tattoo fast nur aus sehr dünnen Linien besteht. Oft sticht der Tätowierer sie mit einer einzelnen Nadel. Manche erzeugen den gleichen Eindruck mit kleinen Gruppen aus drei bis fünf Nadeln. So beschreibt es ein auf Fine Line spezialisierter Tätowierer aus New York in einem US-Magazin.
Feine Linien sind empfindlich. Sie werden mit den Jahren breiter und können ineinander verschwimmen. Ein Fine-Line-Motiv braucht deshalb genug Größe und Abstand zwischen den Linien, und es gehört eher nicht auf Hände oder Knöchel, die schneller altern.
Fragen Sie nach Fotos verheilter Fine-Line-Arbeiten, die schon einige Jahre alt sind. Erst daran sehen Sie, ob die Linien eines Tätowierers halten.
Was Realism vom Tätowierer verlangt
Realism bildet ein Motiv so ab, dass es wie ein Foto wirkt, in Grautönen oder in Farbe. Typisch sind Porträts und Naturszenen. In der Tattoo-Welt ist der Stil noch recht jung, er kam erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf.
Für Schattierungen und Flächen braucht der Tätowierer andere oder mehr Nadeln als für Linien. Je größer und detailreicher ein Motiv ist, desto mehr kostet es, und jede weitere Farbe ist ein zusätzlicher Arbeitsschritt. Klären Sie bei einem großen Porträt vorher, wie viele Sitzungen das Studio plant.
Fotoähnliche, sehr detailreiche Motive verändern sich mit den Jahren besonders. Das Bundesumweltministerium rät, bei solchen Motiven im Studio nachzufragen, wie sie in einigen Jahren aussehen könnten.
Was Blackwork vom Tätowierer verlangt
Blackwork ist ein weiter Begriff für Tattoos, die nur mit schwarzer Farbe gestochen sind. Die Bandbreite reicht von geometrischen Mustern über Ornamente bis zu sehr detailreichen Zeichnungen.
Große schwarze Flächen müssen gleichmäßig gefüllt sein, dafür arbeitet der Tätowierer mit einem Block aus vielen Nadeln. Für Schwarz nutzen die Hersteller meist Ruß als Farbstoff. In schwarzen Farben haben Fachleute früher Stoffe gefunden, von denen einige als krebserregend gelten, und für sie setzt die EU heute strenge Grenzen.
Ob ein dunkles Blackwork-Motiv ein altes Tattoo überdecken kann, klärt das Studio beim Tattoo Cover-up am konkreten Motiv.
Was Traditional vom Tätowierer verlangt
Traditional, auch Old School genannt, geht auf die Seefahrer-Tattoos der 1920er bis 1960er Jahre zurück. Typisch sind breite Konturen, einfache Formen und kräftige Grundfarben. Zu den klassischen Motiven gehören Rosen, Anker, Schwalben und Frauenköpfe.
Der Tätowierer muss klare, kräftige Linien ziehen und die Farben satt füllen. Für kräftige Färbungen sticht er mit mehreren Nadeln zugleich.
Bunte Tattoofarben enthalten meist organische Pigmente. Manche davon, die sogenannten Azo-Pigmente, werden durch Sonnenlicht gespalten, und das Tattoo verblasst dann schnell. Für zwei Pigmente in Blau und Grün gelten die strengen EU-Regeln seit dem 4. Januar 2023, ein Jahr später als für die übrigen Stoffe. Fragen Sie das Studio, ob es bestätigen kann, dass seine Farben den geltenden Regeln entsprechen.
Woran Sie den Spezialisten für Ihren Stil erkennen
Nicht jeder Tätowierer kann alles gleich gut. Tätowierer ist in Deutschland kein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf, und jeder kann ein Tattoo-Studio eröffnen. Suchen Sie deshalb gezielt nach jemandem, der Ihren Stil regelmäßig sticht.
Lassen Sie sich Bilder bisheriger Arbeiten zeigen, und zwar im Stil Ihres Motivs. Achten Sie auf verheilte Tattoos, denn erst dort sieht man, wie Linien und Flächen halten. Weitere Prüfpunkte für Linien, Schrift und Ränder gehören zur Frage, wie Sie einen guten Tätowierer erkennen.
- Wie viele Arbeiten in meinem Stil haben Sie schon gestochen?
- Darf ich Fotos verheilter Arbeiten sehen, die einige Jahre alt sind?
- Wie wird mein Motiv in zehn Jahren aussehen?
- Wie viele Sitzungen planen Sie für mein Motiv?
Häufige Fragen
Welcher Tattoo-Stil verändert sich mit den Jahren am stärksten?
Feine, sehr detailreiche und fotoähnliche Tattoos verändern sich mit den Jahren am sichtbarsten. Linien werden breiter, und feine Linien können ineinander verschwimmen. Fragen Sie bei solchen Motiven im Studio, wie sie in einigen Jahren aussehen könnten.
Was ist der Unterschied zwischen Blackwork und Realism?
Blackwork nutzt nur schwarze Farbe und arbeitet oft mit großen Flächen, Mustern und Ornamenten. Realism bildet ein Motiv dagegen fotoähnlich ab, mit feinen Übergängen in Grau oder in Farbe. Beide Tattoo-Stile verlangen viel Übung, aber ganz unterschiedliche Techniken.
Mit wie vielen Nadeln wird ein Fine-Line-Tattoo gestochen?
Ein Fine-Line-Tattoo wird oft mit einer einzelnen Nadel gestochen. Manche Tätowierer erreichen sehr feine Linien auch mit kleinen Gruppen aus drei bis fünf Nadeln. Für Flächen nutzen Tätowierer dagegen Blöcke mit bis zu 45 Nadeln.
Sind bunte Tattoos riskanter als schwarze Tattoos?
Nicht pauschal, bunte und schwarze Tattoos bergen unterschiedliche Risiken. Bunte Farben enthalten meist organische Pigmente, und manche davon werden im Sonnenlicht gespalten und setzen dabei schädliche Stoffe frei. In schwarzen Farben wurden früher Stoffe gefunden, von denen einige als krebserregend gelten, und für sie gelten heute strenge Grenzen.
Kann jeder Tätowierer jeden Tattoo-Stil stechen?
Nein, nicht jeder Tätowierer beherrscht jeden Tattoo-Stil gleich gut. Tätowierer ist in Deutschland kein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf, ein Zeugnis über bestimmte Stile gibt es also nicht. Lassen Sie sich deshalb verheilte Arbeiten genau in Ihrem Stil zeigen.
