Was Arbeitgeber bei Tattoos verbieten dürfen
Wie weit Vorgaben zu Tattoos gehen dürfen, hängt davon ab, wo Sie arbeiten. Für Angestellte in Firmen gilt das Weisungsrecht des Arbeitgebers. Für Beamtinnen und Beamte gibt es seit 2021 eine eigene Regel im Gesetz. Für Soldatinnen und Soldaten gilt eine Dienstvorschrift der Bundeswehr.
Für alle gilt eine Grenze beim Inhalt. Ein Beamter, der sich Symbole einer verfassungsfeindlichen Ideologie stechen lässt, kann aus dem Dienst entfernt werden. Das Bundesverwaltungsgericht hat 2017 entschieden, dass es dafür nicht darauf ankommt, ob das Tattoo sichtbar ist. Im entschiedenen Fall kamen weitere Taten hinzu, etwa der gezeigte Hitlergruß.
Wer noch plant, klärt die Stelle am besten vor dem ersten Tattoo. Ein Tattoo lässt sich später nur schwer wieder entfernen.
Darf mein Chef ein sichtbares Tattoo verbieten?
Ihr Arbeitgeber darf bestimmen, was Sie arbeiten, wo und wann. Dieses Weisungsrecht erstreckt sich laut Gesetz auch auf die Ordnung und das Verhalten im Betrieb. Er muss dabei aber nach billigem Ermessen handeln. Das heißt, er muss Ihre Interessen und seine eigenen fair gegeneinander abwägen.
Steht im Arbeitsvertrag, in einer Betriebsvereinbarung oder im Tarifvertrag schon eine Regel zum Auftreten, gilt diese Regel. Das Weisungsrecht greift nur dort, wo nichts anderes festgelegt ist. Lesen Sie Ihren Vertrag deshalb vor einem sichtbaren Tattoo noch einmal genau.
Ob eine Vorgabe zu einem sichtbaren Tattoo in Ihrem Fall fair ist, entscheiden im Streit die Arbeitsgerichte. Lassen Sie sich beraten, wenn Ihr Arbeitgeber Ihnen ein Tattoo verbieten oder Sie deswegen abmahnen will. Ansprechpartner sind der Betriebsrat, Ihre Gewerkschaft oder eine Fachanwältin oder ein Fachanwalt für Arbeitsrecht.
Warum ein Tattoo bei Krankheit Lohn kosten kann
Normalerweise zahlt Ihr Arbeitgeber den Lohn bis zu 6 Wochen weiter, wenn Sie krank sind. Das gilt aber nur, wenn Sie die Krankheit nicht selbst verschuldet haben. Bei einem entzündeten Tattoo kann das anders sein.
Das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein entschied im Mai 2025 über den Fall einer Pflegehilfskraft. Sie hatte sich den Unterarm tätowieren lassen, die Stelle entzündete sich, und sie war mehrere Tage krankgeschrieben. Ihr Arbeitgeber zahlte für diese Tage keinen Lohn, und das Gericht gab ihm recht.
Die Klägerin hatte selbst gesagt, dass bei bis zu 5 Prozent der Tattoos Entzündungen der Haut auftreten. Das Gericht hielt eine solche Entzündung deshalb nicht für eine fernliegende Folge. Wer sich tätowieren lässt, muss nach diesem Urteil mit einer Entzündung rechnen und trägt das Risiko selbst. Wie Sie eine Entzündung vermeiden, gehört zur Tattoo-Nachsorge in den ersten 14 Tagen.
Welche Tattoos Beamte im Dienst zeigen dürfen
Für Beamtinnen und Beamte gilt seit dem 7. Juli 2021 eine eigene Regel. Sie müssen auch mit ihrem Aussehen Rücksicht auf das Vertrauen nehmen, das man ihrem Amt entgegenbringt. Tattoos im sichtbaren Bereich darf der Dienstherr einschränken oder verbieten, soweit das Amt es erfordert.
Das ist vor allem dann der Fall, wenn ein Tattoo so auffällt, dass es die Aufgabe im Amt in den Hintergrund drängt. Religiöse oder weltanschauliche Zeichen darf der Dienstherr nur verbieten, wenn sie objektiv geeignet sind, das Vertrauen in eine neutrale Amtsführung zu stören. Für Beamte der Länder können die Länder die Einzelheiten selbst festlegen, für Beamte des Bundes steht eine fast gleichlautende Regel im Bundesbeamtengesetz.
Die Regel gilt schon bei der Bewerbung. Verbeamtet werden darf nicht, wer Merkmale im Aussehen hat, die sich nicht ablegen lassen und nicht mit diesen Pflichten vereinbar sind. Ein großes Tattoo an Hals oder Händen kann also die Einstellung verhindern, je nach Amt und Bundesland.
Was für Tattoos bei der Polizei gilt
Bei der Polizei wird über Tattoos seit Jahren vor Gericht gestritten. Das oberste Verwaltungsgericht stellte 2017 klar, dass Regeln zu Tattoos bei Beamten ein Gesetz brauchen. Eine Anweisung der Behörde reicht dafür nicht. Im Jahr 2021 hat der Gesetzgeber eine solche Regel geschaffen.
Ein bekannter Fall kam aus Bayern. Ein Polizist wollte sich den Schriftzug Aloha auf den Unterarm stechen lassen, etwa 15 mal 6 Zentimeter groß. Bayern hatte geregelt, dass Tattoos im Dienst nicht sichtbar sein dürfen, außer beim Dienstsport. Bei der Sommeruniform gehört auch der Unterarm zum sichtbaren Bereich.
Das Bundesverfassungsgericht hob 2022 ein Urteil gegen den Polizisten auf und schickte den Fall zurück. Für die neue Entscheidung gilt die Regel für Beamte von 2021. Fragen Sie deshalb vor einem sichtbaren Tattoo bei der Polizei Ihres Bundeslandes nach, was dort heute gilt.
Was die Bundeswehr bei Tattoos verlangt
Die Bundeswehr regelt Tattoos in einer eigenen Dienstvorschrift zum Aussehen der Soldatinnen und Soldaten. Danach dürfen Tattoos die Würde des Menschen nicht verletzen. Diskriminierende, pornografische und verfassungsfeindliche Motive sind verboten, ebenso Motive, die gegen Strafgesetze verstoßen.
Sichtbare Tattoos an Kopf und Hals bis zum geschlossenen Kragen, an Unterarmen und Händen müssen in Uniform dezent abgedeckt werden. So steht es in der Fassung von 2014. Seit dem 1. Januar 2015 gilt die Pflicht nach einem Bericht des Fachblogs Augen geradeaus nicht mehr innerhalb militärischer Bereiche. Sie gilt weiter bei Auftritten mit Wirkung in die Öffentlichkeit.
Fragen Sie vor der Bewerbung im Karrierecenter der Bundeswehr nach, welche Fassung der Vorschrift heute gilt. So wissen Sie, ob ein geplantes oder vorhandenes Tattoo im Dienst ein Problem wird.
Häufige Fragen
Darf mein Arbeitgeber mir ein sichtbares Tattoo verbieten?
Nur eingeschränkt, Ihr Arbeitgeber darf über sein Weisungsrecht Vorgaben zum Auftreten im Betrieb machen und muss dabei Ihre Interessen fair abwägen. Ob eine Vorgabe zu einem sichtbaren Tattoo im Einzelfall zulässig ist, entscheiden im Streit die Arbeitsgerichte. Lassen Sie sich dann vom Betriebsrat, Ihrer Gewerkschaft oder einer Fachanwältin für Arbeitsrecht beraten.
Dürfen Polizisten sichtbare Tattoos haben?
Ob Polizisten sichtbare Tattoos haben dürfen, hängt vom Dienstherrn ab, also vom Bundesland oder vom Bund. Seit dem 7. Juli 2021 dürfen Bund und Länder Tattoos von Beamten im sichtbaren Bereich einschränken oder verbieten, wenn das Amt es erfordert. In Bayern durften Tattoos nach einer Regel von 2020 im Dienst nicht sichtbar sein, außer beim Dienstsport.
Kann ein Tattoo die Verbeamtung verhindern?
Ja, ein Tattoo kann die Verbeamtung verhindern. Wer Merkmale im Aussehen hat, die sich nicht ablegen lassen und nicht zu den Pflichten im Amt passen, darf nicht verbeamtet werden. Tattoos mit verfassungsfeindlichem Inhalt können zusammen mit weiterem Verhalten sogar zur Entfernung aus dem Dienst führen.
Dürfen Soldaten bei der Bundeswehr Tattoos haben?
Ja, Soldatinnen und Soldaten dürfen Tattoos haben, aber nicht jedes Motiv. Diskriminierende, pornografische und verfassungsfeindliche Motive verbietet die Dienstvorschrift der Bundeswehr. Sichtbare Tattoos an Kopf, Hals, Unterarmen und Händen müssen in Uniform dezent abgedeckt werden, seit 2015 nach Berichten nur noch bei öffentlichen Auftritten.
Bekomme ich Lohn, wenn ich wegen eines entzündeten Tattoos krank bin?
Nicht sicher, bei einem entzündeten Tattoo kann die Lohnfortzahlung wegfallen. Das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein entschied 2025, dass eine Pflegehilfskraft für diese Krankheitstage keinen Lohn von ihrem Arbeitgeber bekam. Das Gericht wertete die Entzündung als selbst verschuldet, weil solche Folgen beim Tätowieren nicht fernliegen.
