Warum Tätowierer kein Zeugnis vorlegen können
Für Tätowierer ist in Deutschland kein bestimmter Bildungsweg vorgeschrieben. Das hält die Bundesagentur für Arbeit in ihrer Berufsbeschreibung fest. Es gibt also keine Prüfung, keinen Abschluss und kein Zeugnis, das ein Studio Ihnen zeigen könnte.
Ein Berufsverband der Branche setzt sich dafür ein, dass Tätowierer ihre Fachkenntnisse künftig nachweisen müssen. Bisher gibt es diesen Nachweis nicht.
Für Sie heißt das: Das Können eines Tätowierers prüfen Sie selbst. Die besten Belege dafür sind seine eigenen Arbeiten, sein Umgang mit Ihnen in der Beratung und die Art, wie er über Grenzen spricht.
Eigene Arbeiten zeigen, was ein Tätowierer kann
Das wichtigste Prüfstück ist das Portfolio, also die Sammlung von Fotos eigener Tattoos. Achten Sie darauf, dass die Bilder vom Tätowierer selbst stammen. In einem Fall vor dem Amtsgericht München warf eine Kundin ihrer Tätowiererin vor, fremde Tattoos als Referenzen ins Internet gestellt zu haben.
Ein älterer Verband von Tätowierern verlangt von Bewerbern 8 bis 10 Fotos eigener Arbeiten, bevor ein Komitee über die Aufnahme entscheidet. Diese Menge ist auch für Sie ein brauchbarer Maßstab. Sehen Sie sich mehrere Arbeiten im Stil Ihres Motivs an, damit Sie ein Bild vom üblichen Niveau bekommen.
Fragen Sie außerdem nach Fotos verheilter Tattoos, die schon einige Jahre alt sind. Linien werden mit der Zeit breiter, und feine Linien können ineinanderlaufen. Wie gut eine Arbeit gestochen ist, zeigt sich deshalb erst nach dem Verheilen.
Das Portfolio ist der wichtigste von 7 Punkten, mit denen Sie ein Tattoo-Studio finden. Gewerbeschein, Sauberkeit und Preis gehören ebenfalls dazu.
Woran Sie handwerkliche Fehler im Tattoo erkennen
Wie ein schlechtes Tattoo aussieht, hat ein Gutachter für das Münchner Gericht beschrieben. Er fand bei einem Schriftzug unterschiedliche Strichbreiten, verwackelte Linien und ungleiche Abstände zwischen den Buchstaben. Ein Wort war unleserlich, weil die Buchstaben zu eng standen. Das Gericht sah darin Fehler, die ein professioneller Tätowierer nicht macht, und sprach der Kundin 1.000 Euro Schmerzensgeld zu.
Ein zweiter typischer Fehler ist zu tiefes Stechen. Dann läuft die Farbe in der Haut aus, und um die Linien entstehen verschwommene Ränder. In der Szene heißt das Blow-out. Das Oberlandesgericht Hamm wertete genau das 2014 als handwerklichen Fehler.
| Worauf Sie achten | Gute Arbeit | Schlechte Arbeit |
|---|---|---|
| Linien | Gleich dick und ruhig gezogen | Unterschiedlich dick, verwackelt oder ausgefranst |
| Schrift | Gleichmäßige Abstände, gut lesbar | Zu enge oder ungleiche Abstände, unleserliche Wörter |
| Ränder | Scharf, auch nach dem Verheilen | Verschwommene Farbe rund um die Linien |
| Nachgebesserte Stellen | Die Umrisse bleiben klar | Unscharf, weil die Umrisse mehrfach nachgestochen wurden |
In München prüfte das Gericht auch, ob schlechte Pflege die Ursache war. Das war nicht so, die Fehler lagen allein bei der Tätowiererin.
Beherrscht der Tätowierer Ihren Tattoo-Stil?
Nicht jeder Tätowierer sticht jeden Stil gleich gut. Für dünne Linien arbeitet ein Tätowierer mit wenigen Nadeln, für Flächen mit einem Block von bis zu 45 Nadeln. Fine Line mit sehr feinen Linien verlangt deshalb anderes Können als Blackwork mit großen schwarzen Flächen.
Fragen Sie bei feinen, detailreichen oder fotoähnlichen Motiven, wie sich das Tattoo in einigen Jahren verändert. Das Bundesumweltministerium rät genau dazu, weil feine Linien ineinanderlaufen können. Ein guter Tätowierer beantwortet diese Frage offen.
Wer die Tattoo-Stile im Vergleich kennt, findet leichter den passenden Spezialisten für sein Motiv.
Was eine Verbandsmitgliedschaft über Tätowierer aussagt
In Deutschland gibt es mehrere Verbände von Tätowierern. Eine Mitgliedschaft ist kein staatliches Prüfsiegel, und die Verbände prüfen sehr unterschiedlich streng.
Beim Bundesverband Tattoo können Tätowierer ordentliches Mitglied werden, die selbstständig oder angestellt arbeiten. Sie stellen einen Antrag, der Verband prüft ihn, und der Jahresbeitrag liegt bei 150 Euro. Eine Prüfung eigener Arbeiten beschreibt der Verband für die Aufnahme nicht.
Der Verband Deutschlands Organisierte Tätowierer, gegründet 1995, gibt sich strenger. Nach eigenen Angaben entscheidet dort ein Komitee anhand von Fotos des Studios und von 8 bis 10 eigenen Arbeiten über die Aufnahme. Außerdem müssen die Studios zweimal im Jahr einen Sporentest machen. Mit diesem Test prüft man, ob ein Sterilisator Keime zuverlässig abtötet.
Derselbe Verband schreibt selbst, dass auch außerhalb sehr gute Tätowierer arbeiten. Eine Mitgliedschaft ist also ein Hinweis, mehr nicht. Fragen Sie im Zweifel, was der Verband bei der Aufnahme geprüft hat.
Wie sich Können im Beratungsgespräch zeigt
Ein guter Tätowierer berät Sie, bevor er sticht. Zu seinen Aufgaben gehört laut Arbeitsagentur, über gesundheitliche Risiken und mögliche Spätfolgen zu informieren. Er stimmt Motiv und Farben mit Ihnen ab und gibt Ihnen genaue Hinweise zur Pflege.
Ein Zeichen von Können ist auch, wenn der Tätowierer sagt, was nicht geht. Im Fall vor dem Landgericht Köln wollte ein Kunde ein altes Tattoo mit einem plastischen Effekt überstechen lassen. Der Tätowierer sagte ihm vorher, dass sich die Vorlage nicht eins zu eins umsetzen lässt. Das Gericht wies die spätere Klage des Kunden ab.
Ob ein Tätowierer frei Hand zeichnet oder mit einer Schablone arbeitet, sagt über die Qualität wenig aus. Dasselbe Gericht sah im freien Arbeiten ohne Schablone keinen Fehler. Wichtig ist, dass Sie die Zeichnung auf der Haut vor dem ersten Stich im Spiegel prüfen und ändern lassen können, was Ihnen nicht gefällt.
Häufige Fragen
Ist Tätowierer in Deutschland ein Ausbildungsberuf?
Nein, für Tätowierer ist in Deutschland kein bestimmter Bildungsweg vorgeschrieben. Es gibt keine staatliche Prüfung und kein Zeugnis. Das Können eines Tätowierers erkennen Sie deshalb vor allem an seinen eigenen, verheilten Arbeiten.
Prüft der Bundesverband Tattoo die Arbeiten seiner Mitglieder?
Eine Prüfung eigener Arbeiten beschreibt der Bundesverband Tattoo für die Aufnahme nicht, er prüft den Antrag. Ordentliches Mitglied können Tätowierer werden, die selbstständig oder angestellt arbeiten, der Jahresbeitrag liegt bei 150 Euro. Ein strengeres Verfahren mit 8 bis 10 Fotos eigener Arbeiten nennt der Verband Deutschlands Organisierte Tätowierer.
Darf ein Tätowierer ohne Schablone arbeiten?
Ja, ein Tätowierer darf ohne Schablone frei Hand arbeiten. Das Landgericht Köln sah darin 2021 keinen handwerklichen Fehler. Entscheidend ist, dass das Ergebnis der Absprache entspricht und Sie die Zeichnung vorher prüfen können.
Habe ich Ansprüche, wenn ein Tätowierer über seine Erfahrung gelogen hat?
Falsche Angaben eines Tätowierers über seine Erfahrung haben in einem Münchner Fall allein keine Ansprüche begründet. Das Amtsgericht München sah darin 2017 nur den Beweggrund für die Einwilligung der Kundin. Entscheidend war, dass das Tattoo handwerklich mangelhaft war, und dafür bekam sie 1.000 Euro Schmerzensgeld.
Woran erkenne ich ein verpfuschtes Tattoo?
Ein verpfuschtes Tattoo erkennen Sie an unterschiedlich dicken oder verwackelten Linien, ungleichen Abständen in der Schrift und verschwommener Farbe um die Linien. Solche Fehler wertete das Amtsgericht München 2017 als Mängel, die ein professioneller Tätowierer nicht macht. Verschwommene Ränder können entstehen, wenn zu tief gestochen wurde.
