Was kostet eine Stunde beim Tätowierer?
Viele Studios rechnen ein Tattoo nach Stunden ab. Den Preis für eine Stunde, den Stundensatz, legt jedes Studio selbst fest, denn kein Gesetz schreibt einen Preis vor. Deshalb können zwei Studios in derselben Straße für dasselbe Motiv sehr verschiedene Beträge verlangen.
Einen guten Anhaltspunkt liefert ein Urteil aus Köln. Das Amtsgericht Köln musste Ende 2025 schätzen, was die Nutzung eines Tattoo-Entwurfs wert ist. Es ging dabei von üblichen Stundenpreisen zwischen 100 und 250 Euro aus und rechnete mit einem Mittelwert von 175 Euro. Das ist keine amtliche Statistik. Als Maßstab taugt die Spanne trotzdem, und ein Studio, das deutlich darüber liegt, kann Ihnen den Grund nennen.
Der Preis ist nur einer von 7 Punkten, mit denen Sie ein Tattoo-Studio finden, das zu Ihnen passt.
Warum auch ein kleines Tattoo rund 120 Euro kostet
Ein Mindestpreis ist der Betrag, den ein Studio auch für ein sehr kleines Motiv berechnet. Er deckt Arbeit, die bei jedem Termin anfällt, egal wie groß das Motiv ist. Dazu gehören die Beratung, das Vorbereiten des Arbeitsplatzes, Material und Hygiene. Die WirtschaftsWoche hat im Sommer 2026 mehrere Studios in verschiedenen Bundesländern befragt. Viele davon verlangen im Schnitt rund 120 Euro als Mindestpreis.
Der Bericht schlüsselt diesen Betrag auf. 55,50 Euro gehen an die Arbeit des Tätowierers, also an Beratung, Entwurf und das Stechen selbst. Das sind 46 Prozent. 29,84 Euro decken Miete, Strom und Versicherungen, 15,50 Euro Farben, Nadeln und Hygienematerial. Die Umsatzsteuer macht 19,16 Euro aus.
| Wofür das Geld ist | Betrag |
|---|---|
| Beratung, Entwurf und Stechen | 55,50 Euro |
| Miete, Strom, Versicherungen und andere feste Kosten | 29,84 Euro |
| Farben, Nadeln und Hygienematerial | 15,50 Euro |
| Umsatzsteuer | 19,16 Euro |
| Zusammen | rund 120 Euro |
Diese Aufteilung ist ein Durchschnitt aus einer Befragung, keine amtliche Zahl. Ihr Studio kann darüber oder darunter liegen, fragen Sie deshalb direkt nach seinem Mindestpreis.
Wie Studios ein Tattoo abrechnen
Drei Arten der Abrechnung sind üblich, dazu kommt der Mindestpreis. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wer zahlt, wenn die Arbeit länger dauert. Beim Stundensatz tragen Sie dieses Risiko. Beim Festpreis trägt es das Studio, und es plant deshalb einen Puffer ein.
| Abrechnung | So wird gerechnet | Passt für | Wer zahlt, wenn es länger dauert |
|---|---|---|---|
| Stundensatz | Ein fester Betrag je Arbeitsstunde | Mittelgroße Motive, das Überstechen alter Tattoos und alles, was sich schwer schätzen lässt | Sie |
| Tagessatz | Ein fester Betrag für einen ganzen Arbeitstag | Große Arbeiten wie ein ganzer Rücken oder ein ganzer Arm | Je nach Absprache |
| Festpreis | Ein vorher vereinbarter Betrag für das ganze Motiv | Klar umrissene Motive mit fertigem Entwurf | Das Studio |
| Mindestpreis | Eine Untergrenze je Termin, egal wie klein das Motiv ist | Sehr kleine Motive, Schriftzüge und einzelne Symbole | Niemand, der Betrag steht fest |
Bei einem Stundensatz rechnen Sie besser mit der ganzen Spanne als mit dem besten Fall. Lassen Sie sich die kürzeste und die längste geschätzte Dauer nennen und schreiben Sie beides auf.
Welche Preisangaben Ihnen ein Tattoo-Studio schuldet
Wer Verbrauchern Leistungen anbietet, muss ein Preisverzeichnis aufstellen. Darin dürfen auch Stundensätze stehen, und sie müssen die Umsatzsteuer schon enthalten. Das Verzeichnis gehört in die Geschäftsräume und, wenn es eines gibt, ins Schaufenster.
Bei Tattoo-Studios greifen allerdings oft zwei Ausnahmen. Die Pflicht entfällt bei Arbeiten, die üblicherweise nach einem schriftlichen Einzelangebot erledigt werden, und bei künstlerischen Leistungen. Sie dürfen also eine Preisliste erwarten, verlassen können Sie sich darauf nicht. Ein schriftliches Angebot für Ihr Motiv ist ohnehin der bessere Weg.
- Beschreiben Sie das Motiv genau, mit Größe in Zentimetern, Körperstelle, Farbe und Schattierung.
- Fragen Sie nach der Art der Abrechnung und nach dem Mindestpreis, denn beides gehört zusammen.
- Lassen Sie sich die Dauer als Spanne nennen und fragen Sie, was passiert, wenn es länger dauert.
- Klären Sie, ob jede weitere Sitzung den Mindestpreis neu auslöst und ob Nachstechen im Preis enthalten ist.
- Lassen Sie sich alles schriftlich geben, eine kurze Nachricht auf dem Handy reicht.
Was bei einer Anzahlung für das Tattoo gilt
Viele Studios verlangen vor dem Termin eine Anzahlung. Wie hoch sie ist und ob sie bei einer Absage verfällt, regelt kein Gesetz. Das steht allein in Ihrer Absprache mit dem Studio, und genau danach fragen Sie, bevor Sie zahlen.
Für das Studio bezahlt die Anzahlung die Zeit, die schon in den Entwurf geflossen ist. Außerdem sichert sie den Termin, denn ein leerer Stuhl kostet das Studio einen Arbeitstag.
- Wird die Anzahlung auf den Endpreis angerechnet, oder kommt sie dazu?
- Bis wann können Sie den Termin kostenlos verschieben?
- Was gilt, wenn Sie krank werden?
- Was passiert, wenn das Studio selbst absagt?
- Bekommen Sie die Antworten und einen Zahlungsbeleg schriftlich?
Eine Klausel, nach der die Anzahlung in jedem Fall verfällt, ist nicht automatisch wirksam. Vorgedruckte Bedingungen prüft ein Gericht darauf, ob sie Sie unangemessen benachteiligen. Lassen Sie sich im Streitfall mit dem Text von der Verbraucherzentrale beraten.
Was Sie verlangen können, wenn das Tattoo misslingt
Ein Tattoo-Studio schuldet Ihnen ein fertiges Motiv, so wie es vereinbart war. Weicht das Ergebnis davon ab, darf das Studio zuerst nachbessern. Erst danach kommen Geld zurück oder Schadensersatz infrage.
Eine Ausnahme machte das Oberlandesgericht Hamm 2014. Ist Ihr Vertrauen in das Studio verständlicherweise zerstört, dürfen Sie die Nachbesserung ablehnen. Bei Tattoos gilt das eher als bei anderen Arbeiten, weil jeder neue Versuch Schmerzen bedeutet und der Gesundheit schaden kann.
Zwei Urteile zeigen, was dabei herauskommen kann. Das Amtsgericht München sprach 2017 einer Kundin 1.000 Euro Schmerzensgeld zu, weil ihr Schriftzug verwackelte Linien und ungleiche Abstände hatte. Dazu bekam sie die gezahlten 100 Euro zurück, und die Tätowiererin muss alle Folgeschäden ersetzen. Im Fall aus Hamm blieb es bei 750 Euro Schmerzensgeld. Das Studio muss dort auch die Kosten einer späteren Laserentfernung tragen.
Es geht auch anders aus. Das Landgericht Köln wies 2021 die Klage eines Kunden nach einem Cover-up ab, also nach dem Überstechen eines alten Tattoos. Der Tätowierer hatte vorher gesagt, dass sich die Vorlage nicht eins zu eins umsetzen lässt, und das Gericht fand keinen handwerklichen Fehler. Wer vorher gewarnt wurde, kann das Ergebnis später schwer angreifen. Für Ansprüche bei einem verpfuschten oder entzündeten Tattoo gelten eigene Regeln und Fristen.
Was Nachstechen kostet und wer es bezahlt
Nachstechen heißt, dass einzelne Stellen nach dem Abheilen noch einmal bearbeitet werden. Das ist nötig, wenn Farbe ausgefallen ist oder eine Linie unruhig verheilt ist. Es kommt vor und ist nicht automatisch ein Fehler, denn wie ein Tattoo verheilt, hängt auch von der Hautstelle und von der Pflege ab.
Viele Studios bessern innerhalb einer eigenen Frist kostenlos nach. Das ist ein freiwilliges Angebot, fragen Sie also vor dem ersten Termin danach.
Wichtig ist, woher der Fehler kommt. Liegt er in der Arbeit, etwa bei ungleich dicken oder verwackelten Linien, muss das Studio ohne Aufpreis nachbessern. Liegt er in der Pflege, weil das frische Tattoo zum Beispiel in der Sonne war, darf das Studio das Nachstechen berechnen.
Häufige Fragen
Was kostet ein kleines Tattoo im Studio?
Ein kleines Tattoo kostet in vielen Studios mindestens rund 120 Euro. Das ergab eine Befragung mehrerer Studios durch die WirtschaftsWoche im Juli 2026. Der Betrag deckt Beratung, Material, Hygiene und Arbeitszeit, die bei jedem Termin anfallen. Den Mindestpreis Ihres Studios erfahren Sie nur dort.
Muss ein Tattoo-Studio seine Preise aushängen?
Ein Tattoo-Studio muss grundsätzlich ein Preisverzeichnis aushängen, in dem auch Stundensätze stehen dürfen. Ausgenommen sind Arbeiten, die üblicherweise nach einem schriftlichen Einzelangebot erledigt werden, und künstlerische Leistungen. Ob das für Ihr Studio gilt, hängt vom Einzelfall ab. Ein schriftliches Angebot für Ihr Motiv ist deshalb der sicherere Weg.
Darf ein Tattoo-Studio die Anzahlung behalten, wenn ich absage?
Ob ein Tattoo-Studio die Anzahlung behalten darf, hängt allein von Ihrer Absprache ab, ein Gesetz regelt das nicht. Vorgedruckte Klauseln, nach denen die Anzahlung immer verfällt, sind nicht automatisch wirksam. Klären Sie vor dem Zahlen schriftlich, bis wann Sie kostenlos verschieben können und was bei Krankheit gilt.
Warum steht auf meiner Tattoo-Rechnung keine Umsatzsteuer?
Auf der Rechnung eines Tattoo-Studios fehlt die Umsatzsteuer meist, weil der Betrieb als Kleinunternehmer arbeitet. Das darf er, wenn sein Umsatz im Vorjahr höchstens 25.000 Euro betrug und im laufenden Jahr 100.000 Euro nicht übersteigt. Über die Qualität der Arbeit sagt das nichts aus.
Ist Nachstechen bei einem Tattoo kostenlos?
Kostenloses Nachstechen ist bei einem Tattoo ein freiwilliges Angebot des Studios, keine Pflicht. Viele Studios bieten es innerhalb einer eigenen Frist an. Liegt der Fehler in der Arbeit selbst, etwa bei verwackelten Linien, muss das Studio ohne Aufpreis nachbessern.
